160 Einreichungen für Mitmacht x reCampaign 2026
Der Open Call für das Mitmacht x reCampaign 2026 ist beendet und wir haben 160 Einreichungen bekommen von Menschen, die bereit sind, ihre Methoden, Fragen und Erfahrungen zu teilen.
Foto: A.C. (Unsplash)

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Der Bestand von Bibliotheken spiegelt unsere moderne Gesellschaft noch viel zu wenig. Sheeko Ismail von der Schwarzen Kinderbibliothek Deutschland gibt Tipps, wie es anders gehen kann.
Rassismus beginnt nicht, wenn ein Mensch angegriffen wird, sondern bereits in der Bildung und allen weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Schwarze, afrodeutsche und PoC-Kinder sind im Bildungsbereich häufig mehrfach benachteiligt und ausgegrenzt. In deutschsprachigen Schulbüchern sind sie unterrepräsentiert. Oftmals finden sie sich selbst und ihre Lebensrealitäten nicht in den Darstellungen in Büchern und Lehrmaterialien wieder.
Geschichten in Kinderbüchern werden hierzulande meist aus einer weißen und eurozentrischen Perspektive erzählt, oft mit den dazugehörigen Werten und Normen, die nicht frei von Machthierarchien sind, die wiederum auf koloniale Kontinuitäten fußen.
Was in Büchern sichtbar ist und was nicht, beeinflusst, was als ‚normal‘ von Kindern angenommen wird und was nicht. Es hat damit eine Auswirkung darauf, wie Kinder sich selbst und die eigenen Lebensrealitäten wahrnehmen und auch, wie sie die Lebensrealitäten anderer wahrnehmen und bewerten.
Wir leben in einer pluralen, komplexen Gesellschaft mit unseren individuellen Biografien, Vorstellungen, Wünschen, Bedürfnissen, Fähigkeiten und Ressourcenzugängen. Kinder und Jugendliche lernen schon sehr früh, dass es Unterschiede zwischen Menschen gibt und diese spezifisch markiert sind. Deswegen ist es wichtig, Vielfalt zu repräsentieren und zu normalisieren, wenn wir Kinder vorurteilsbewusst erziehen und bilden wollen.
Für die Erhaltung der notwendigen Arbeit braucht es finanzielle Ressourcen. Ohne stabile Förderung durch öffentliche Stellen oder private Geldgeber*innen lässt sich langfristige Community-Arbeit schwer aufrechterhalten. Kooperationspartner*innen spielen dabei ebenso eine zentrale Rolle: Gemeinsame Projekt bündeln Kräfte, erweitern die Reichweite und schaffen Vertrauen zwischen verschiedenen Organisationen und deren Zielgruppen.
Entscheidend ist außerdem die direkte Einladung von Personen aus den Communitys selbst. Angebote, die ohne Betroffenen geplant werden, erreichen sie oft gar nicht erst. Schließlich müssen die Interessen der Community-Mitglieder aktiv erfragt und ernst genommen werden, etwa durch niederschwellige Gespräche, Umfragen oder die Einbindung von Vertrauenspersonen, die bereits in den Communitys vernetzt sind.
Der Anfang liegt im Regal: Wer diversitätsbewusste Literatur gezielt zugänglich macht, sendet ein klares Signal an marginalisierte Communitys: diese Geschichten werden gesehen. Doch Sichtbarkeit allein reicht nicht. Selbstermächtigung entsteht dort, wo Bibliotheken selbstorganisierte Räume anbieten, in denen Communitys ohne institutionelle Vorgaben agieren können.
Statt Bevormundung braucht es Mitbestimmung: Aktive müssen in Entscheidungsprozesse einbezogen werden, damit Angebote nicht an den Bedürfnissen vorbeigehen. Den Rahmen dafür bildet eine intersektionale Denkweise – eine, die sexuelle Orientierung, Herkunft, Behinderung, Religion und Alter nicht nacheinander, sondern gleichzeitig mitdenkt.
Dialog auf Augenhöhe klingt einfach, ist es aber nicht. Er verlangt, die eigene Position zu hinterfragen und Macht abzugeben. Transformation entsteht nicht nur durch Konzepte, sondern durch gemeinsames Gestalten. Interaktive Plattformen schaffen dafür den Rahmen: Orte, an denen Austausch ehrlich und ohne Hierarchie stattfinden kann. Wer das ernst nimmt, merkt schnell, dass es auch das eigene Denken und Wahrnehmen verändert und dass am Ende alle gefordert sind, Verantwortung zu übernehmen.
Die Schwarze Kinderbibliothek bringt Bücherkisten und Lesungen in die Community.
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