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15.4.2026
Strategieimpuls
Mission #2
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Magazin

Rückschau: Das Lab „Digitale Öffentlichkeit“ bei Mitmacht 2025

Ein Workshop mit Teilnehmenden und den Hosts Luisa Schmidt und Esther Theisen

Foto: suna films

Ein Workshop mit Teilnehmenden und den Hosts Luisa Schmidt und Esther Theisen

Foto: suna films

Geschrieben von:
Luisa Schmidt
Esther Theisen
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Was entscheidet darüber, ob digitale Räume spalten oder verbinden? Das Lab „Digitale Öffentlichkeit“ bei Mitmacht 2025 zeigt, warum demokratische Resilienz im Digitalen kollektive Strategien braucht – von besserer Vernetzung über neue Narrative bis zu klaren politischen Rahmenbedingungen.

AI-Zusammenfassung

Digitale Räume sind für viele von uns allgegenwärtig geworden. Hier tauschen wir uns mit Freund*innen aus, teilen unsere Gedanken und können uns kreativ austoben. Sie waren einst für viele Menschen ein Hoffnungsschimmer für grenzenlose Vernetzung und Räume, in denen Stimmen, denen sonst kein Gehör geschenkt wird, endlich zugehört wird. Jedoch sind wir schnell von der Realität eingeholt worden und sehen nun, wie sie Polarisierung beschleunigen, Hass und Gewalt verbreiten und so Stimmen aus dem politischen Diskurs verdrängen. Plattformlogiken verstärken diese Phänomene algorithmisch.  

Manchmal scheint es so, als gäbe es keinen Raum mehr für diesen frühen digitalen Hoffnungsschimmer. Das Lab* „Digitale Öffentlichkeit und Demokratie“ am Mitmacht-Festival 2025 von Das NETTZ setzt hier an und macht den Versuch, Potentiale für kollektives Handeln und Initiativen, die sich gegen diese Dynamiken einsetzen, sichtbar zu machen.

Hass im Netz und Desinformation mobilisieren

Hass im Netz und Desinformation mobilisieren Angst und Wut. Sie lassen uns mit dem Gefühl von Ohnmacht zurück und untergraben unser Vertrauen in demokratische Institutionen, Medien und unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt. Jetzt heißt es, diesen Dynamiken etwas entgegenzusetzen, um demokratische Resilienz zu stärken und die wachsende Polarisierung abzuschwächen. Digitale Räume sollten verantwortlich genutzt und geschützt werden, damit demokratische Teilhabe und Solidarität erlebbar werden. Hier setzt das Lab einen ersten gemeinsamen Impuls.  

Das Fundament des Labs war, ein Verständnis und ein Bild davon zu schaffen, was es bereits gibt. Es passiert bereits viel und viele setzen sich ein, somit kann das Ziel nicht sein, bei null anzufangen. Bereits heute existieren ein bunter Strauß an Handlungsansätzen: von Forschung und Monitoring zu Hass und Desinformation, Unterstützungsstrukturen für Betroffene, Bildungsangebote, digitale Partizipationskonzepte bis hin zu Advocacy- und Kommunikationsarbeit. Gleichzeitig werden deutliche Brüche und Spannungen sichtbar.  

Initiativen arbeiten parallel, fragmentiert und mit begrenzter Reichweite. Es braucht mehr koordinierende Strukturen, die nicht nur national arbeiten, sowie langfristig sichere Rahmenbedingungen (z.B. sinnhafte Plattformregulierungen). Auch braucht es eine Auseinandersetzung mit der Frage, welche Zielgruppen im Themenfeld bislang zu wenig sichtbar sind oder aus dem Diskurs verdrängt wurden.  

Maßnahmen und Initiativen sollten nicht alleine im Feld bestehen, denn nur im Zusammenspiel können sie ihre Wirkmacht entfalten und so zu einer nachhaltigen Veränderung digitaler Diskurse beitragen. Dabei sollten wir uns jedoch immer wieder in Erinnerung rufen, dass wir uns mit dem Machtmonopol weniger Plattformen auseinandersetzen müssen, die im Wechselspiel internationaler Politik und Regulierungsversuchen existieren.  

Ein Zukunftsbild für digitale Räume

Vor diesem Hintergrund entwickelte das Lab ein strategisches Narrativ, das ein Zukunftsbild für digitale Räume entwirft, in denen demokratische Werte eine zentrale Rolle einnehmen. Im Zentrum steht die Vision einer Demokratie, die von allen als lebendig, gestaltbar und gemeinschaftlich erlebt wird. Menschen erkennen ihre kollektive Wirkmacht und nutzen sie – nicht isoliert, sondern im Zusammenspiel von Zivilgesellschaft, Wissenschaft, Medien und Politik.  

Digitale Diskurse werden als Räume verstanden, in denen unterschiedliche Meinungen nicht nur ausgehalten, sondern produktiv verhandelt werden können. Vertrauen in Institutionen wächst, ohne Kritikfähigkeit zu verlieren. Alle Menschen bewegen sich souverän und aufgeklärt in digitalen Infrastrukturen, Menschenrechte gelten auch online uneingeschränkt, und demokratische Regeln orientieren sich an gesellschaftlichen Bedürfnissen statt an den Interessen großer Tech-Konzerne.

Dieses gemeinsame strategische Narrativ mündet in einer klaren Zukunftsvision:  

Wir übernehmen Verantwortung für unsere digitale Demokratie. Macht liegt wieder stärker bei den Nutzer*innen und der Gesellschaft, nicht bei Plattformen. Wissen wird geteilt, Zusammenarbeit und Solidarität werden zur Norm statt zur Ausnahme, und digitale Selbstbestimmung wird zum gesellschaftlichen Leitbild.

Wie kommen wir zu dieser Vision? Es erfordert konkrete Handlungsansätze.  

Erstens braucht es stärkere Koordination und Vernetzung im zivilgesellschaftlichen Feld, um vorhandene Kompetenzen zu bündeln und unsere Wirkung zu erhöhen.  

Zweitens müssen Handlungsstrategien systematisch weiterentwickelt werden: Digitale Interventionen sollten nicht nur reagieren, sondern auch aktiv Angebote machen, zum Beispiel durch Narrative von Solidarität, Verantwortung und kollektiver Wirksamkeit.  

Drittens gilt es, Unterstützungsstrukturen nachhaltig für Betroffene und Engagierte zu stärken und auszubauen, die ihnen Sicherheit, Anerkennung und Handlungsspielräume bieten.  

Viertens, Medien- und Demokratiekompetenz müssen früher, breiter und inklusiver ansetzen.  

Schließlich braucht es politische und regulatorische Rahmenbedingungen, die demokratische Werte in digitalen Räumen absichern und die Machtasymmetrien gegenüber Big Tech begrenzen.

Das Lab hat gezeigt: Die Zukunft der Demokratie entscheidet sich auch im Digitalen. Wer digitale Öffentlichkeiten demokratisch gestalten will, muss Ressourcen für Zusammenhalt, Vertrauen und gemeinsame Gestaltung anerkennen und stärken. Denn nur so lassen wir unseren digitalen Hoffnungsschimmer wieder aufleuchten.

*Die Labs bei Mitmacht waren Denk- und Handlungsräume, in denen Akteurinnen aus unterschiedlichen Bereichen an demokratierelevanten Fragestellungen arbeiteten, gemeinsame Zukunftsbilder für eine starke Demokratie entwickelten und erste Schritte dorthin entwarfen. Sie bildeten den Startpunkt eines ko-kreativen, sektorübergreifenden Prozesses. Grundlage waren Methoden aus der Zukunftsforschung, die dabei unterstützen, strategische Narrative zu formulieren und systemische Ziele für die kommenden Jahre abzuleiten.

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