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26.11.2025
Strategieimpuls
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Mitmacht 2025

Die demokratische Antwort: Ein Abend, der den Takt für das Mitmacht-Festival 2025 vorgibt

Podium mit Marie Ringler, Natscha Strobl, Daniel Binswanger, Moderation mit Nina Schnider

Fotos: suna films

Podium mit Marie Ringler, Natscha Strobl, Daniel Binswanger, Moderation mit Nina Schnider

Fotos: suna films

Geschrieben von:
Isabell Kolditz
Übersetzt von:
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Mit einem vollen Saal, gespannter Aufmerksamkeit und sichtbarer Aufbruchsstimmung startete am Mittwochabend das Mitmacht-Festival 2025 in Wien. Der Auftakt versprach viel – und hielt Wort: klare Diagnosen, neue Perspektiven und ein gemeinsamer Wille, Demokratie nicht nur zu verteidigen, sondern aktiv weiterzuentwickeln.

AI-Zusammenfassung

„Demokratie ist nicht einfach so. Sie muss gemacht werden.“

Mit diesem Satz eröffnete Wiens Stadtrat für Demokratie, Jürgen Czernohorszky, den Abend. Die Stadt, so betonte er, verstehe sich als Teil einer Community of Practice – bewusst für die ungleichen Bedingungen, auf denen Demokratie oft aufbaue. Selten war der Raum so ruhig wie bei seinen Worten, dass Demokratie Arbeit, Verantwortung und Verbündete brauche.

Ein Weckruf für mehr Mut und weniger Perfektion

Die Keynote von Jeannette Gusko – Unternehmerin und Teil des Faktor-D-Strategiegremiums – war ein energetischer Startschuss. Ausgehend von ihren Erfahrungen rund um die Correctiv-Enthüllungen zum „Potsdamer Treffen“ zeichnete sie ein klares Bild: Die Autoritären handeln längst. Die Frage sei nicht, ob, sondern wie schnell Demokrat*innen reagieren.

„Wir glauben, Perfektion schützt uns, aber Perfektion ist einer unserer Bremsklötze.“

Zentral ihre Botschaft: Macht entsteht gemeinsam. Dafür brauche es breitere, unbequemere Allianzen und eine neue Kultur des Miteinanders – „weniger elitär, weniger hohes Ross, mehr Flottenverband statt Flaggschiff“. Die Reaktionen im Publikum: zustimmendes Nicken, spontane Zwischenapplause, spürbares Aufatmen an manchen Stellen, an anderen Nachdenklichkeit.

Das Panel: Klartext zu Autoritarismus, Demokratie und Zukunft

Im anschließenden Panel – moderiert von Nina Schnider und gemeinsam mit Ashoka-Europaleiterin Marie Ringler, Natascha Strobl und Daniel Binswanger – ging es ums Eingemachte: das autoritäre Drehbuch und die Frage, wie Demokratien darauf antworten können. Natascha Strobl, Politikwissenschaftlerin und Autorin zu Bewegungen der neuen Rechten, brachte es scharf auf den Punkt:

„Faschismus ist eine autoritäre Krisenreaktion, sie zeigt sich in einer lustvollen, erlösenden Gewalt. Wir sehen sie im Mob auf der Straße und im Internet Menschen jagen, aber auch innerhalb des Staates. Es werden Bilder produziert, die uns die Gewalt schmackhaft machen möchten.“

Sie sprach über die Bilder, die diese Gewalt attraktiv erscheinen lassen sollen – auf der Straße, im Netz, im Staat. Daniel Binswanger, Co-Chefredakteur bei Die Republik, ergänzte: „Der Verlust der Zukunft ist zentral.“ Zukunft sei „mit hoher Geschwindigkeit aus den politischen Debatten verschwunden“. Wenn Demokratie wieder Sinn ergeben solle, brauche es zuerst einen Diskurs, der Sinn ergibt – und Medien, die ihre Aufgabe erfüllen. „Dass X noch online ist, ist ein Desaster“, sagte er und erntete dafür klare Zustimmung im Saal.

Marie Ringler hob hervor, wie herausfordernd Zugehörigkeit in Demokratien sei: Wir definierten uns über Unterschiede – aber genau darin liege auch die Stärke, wenn sie klug genutzt werde.

Solidarität, Selbstwirksamkeit und die bisherigen Steine im Weg

Im zweiten Themenblock ging es um Antworten: Was braucht eine demokratische Zukunft?

Strobl: „Wir müssen viel mehr vereinfachen. Solidarität muss wieder spürbar werden – im Alltag.“
Ringler: „Viele Menschen haben in ihren Organisationen keine Entscheidungsmacht. Aber sie wollen beitragen.“
Binswanger: „Wir müssen uns fragen, wie Dinge im Großen geregelt werden sollen – und dort ansetzen.“

Es wurde deutlich: Die demokratische Schwäche liegt nicht nur bei „den anderen“, sondern in den eigenen Strukturen und Routinen.

Wer fehlt uns? Und wie gestalten wir den Wendepunkt?

Zum Abschluss ging es um Allianzen jenseits des Raumes. Strobl: „Man kann Menschen einfach fragen, was sie wollen. Die Zeiten sind radikal, weil sich die Menschen Ruhe und Zeit wünschen. Der Ist-Zustand tut Menschen nicht gut.“ Der entscheidende Hebel liege bei jenen, die arbeiten, wenig verdienen und außerhalb der urbanen Zentren leben. „Der Konservatismus muss demokratisch bleiben“, mahnte sie.

Binswanger blickte international: Ob Europa hält, werde sich an den nächsten Wahlzyklen zeigen – und daran, ob nicht-rechtsradikale Regierungen stabil bleiben. Ringler fasste den Geist des Abends in eine einfache Frage: „Was kann ich beeinflussen?“
Sie stellte sie nicht rhetorisch. Sie ist Einladung und Arbeitsauftrag.

Der Start eines Festivals, das Synchronisierung will

Mit diesem Abend beginnt das Mitmacht-Festival 2025: eine Einladung, Kräfte zu bündeln. Wie Max Bohm von der Initiative Offene Gesellschaft es formulierte: Es gehe nicht darum, „dass alle alles machen“, sondern dass „ alle in dieselbe Richtung arbeiten“. Er stellte die Idee des Demokratie Playbook 2029 vor.

Das Publikum verließ den Raum mit genau diesem Gefühl: Wir können den Takt wieder übernehmen – wenn wir es gemeinsam tun.

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