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26.1.2026
Strategieimpuls
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Demokratie-Playbook

Wir haben alles, was wir brauchen – außer einen gemeinsamen Plan.

Geschrieben von:
Hannah Göppert
Max Bohm
Übersetzt von:
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Das autoritäre Playbook ist längst Realität: strategisch, abgestimmt, mit klarer Agenda. Demokratische Kräfte arbeiten dagegen oft parallel, trotz geteilter Werte. Das Demokratie-Playbook vereint eine breite Allianz hinter einem Zukunfts-Plan für die Demokratie.

AI-Zusammenfassung

Stellen wir uns vor, es ist 2029. Ein Superwahljahr. Österreich, Deutschland, die EU. Aber diesmal drehen sich die Schlagzeilen im Wahlkampf nicht darum, wie wir den Rechtsruck verhindern oder die nächste Krise verwalten. Statt „Abwehr gegen Rechts“ lesen wir: „So kann ein gerechtes, freies Leben für alle aussehen.“ Talkshows diskutieren nicht mehr, ob solche Zukunftsbilder realistisch sind, sondern wie wir dorthin kommen. Und die Menschen fragen nicht mehr: „Ist das nicht utopisch?“, sondern: „Wann legen wir los?“.

Heute wirkt das weit weg. Nicht, weil es unmöglich wäre, sondern weil Demokrat*innen gerade in einem anderen Modus feststecken: Wir sind damit beschäftigt, das System zu verteidigen, statt es weiterzuentwickeln. Wir halten Dämme, statt neue Flussbetten zu bauen. Das ist verständlich, denn autoritäre Projekte arbeiten mit hohem Druck und sind sehr gut finanziert. Doch das Verteidigen hat einen Preis:  Wer nur noch reagiert, erzählt keine eigene Zukunft. Und wer keine Zukunft erzählt, verliert mittelfristig an Anziehungskraft.

Auf der anderen Seite haben autoritäre Kräfte ein klares Drehbuch. Sie kombinieren langfristige Ziele mit schrittweiser Umsetzung. Medien schwächen, Zivilgesellschaft einschüchtern, Rechtsstaat aushöhlen, Minderheiten markieren – all das passiert erschreckend sichtbar, und zusätzlich als deutliche Verschiebung von Normen. Rechtsextreme Positionen rutschen in die Mitte, Regelbrüche bleiben ohne Konsequenzen, Menschenrechte werden relativierbar.

Viele, die für Demokratie arbeiten, haben dabei das Gefühl, ständig hinterherzulaufen.

Gleichzeitig sind die Voraussetzungen eigentlich hervorragend. Im demokratischen Feld gibt es unglaublich viel Kompetenz, Erfahrung und Motivation: NGOs, Initiativen, Stiftungen, Wissenschaft, Medien, Verwaltungen, engagierte Einzelne. Doch sie entfalten nicht ihr Potential, sie arbeiten nebeneinanderher: Die gleiche Studie wird mehrfach gemacht, die gleiche Idee in mehreren Organisationen parallel entwickelt, wertvolles Wissen verschwindet, wenn Projekte enden.

Es zeigt sich deutlich, dass es nicht der Wille ist, der fehlt, sondern die Struktur. Aus dieser Diagnose entsteht die zentrale Idee des Demokratie Playbooks 2029. Der Begriff des Playbooks kommt aus dem Teamsport und bezeichnet eine Sammlung von erprobten Spielzügen und Abläufen, die hilft, in komplexen Situationen schnell zu reagieren. Übertragen heißt das: Wir brauchen eine gemeinsame Grundlage dafür, wie demokratische Kräfte planen, handeln und zusammenarbeiten können – ohne unsere Vielfalt zu verlieren.

Das Demokratie Playbook verstehen wir deshalb nicht als weiteres Grundsatzpapier, sondern als eine praktische Anleitung für kollektive Wirksamkeit. Es soll keine Gleichschaltung produzieren, sondern Synchronisierung.

Konkret heißt das drei Dinge:

Erstens: Wir fokussieren uns auf die Themenfelder, in denen heute über die Zukunft der Demokratie entschieden wird – etwa digitale Öffentlichkeit, Rechtsstaat, technologischer Wandel, gesellschaftlicher Zusammenhalt, politische Bildung.

Zweitens: Wir entwickeln für jedes dieser Felder Zielbilder, die stark genug, um echte Veränderung auszulösen. Nicht nur schöne Worte, sondern Bilder davon, wie sich Demokratie im Alltag anfühlen könnte, wenn sie gut funktioniert.

Drittens: Wir bauen rund um jedes Thema Allianzen, die mehr sind als symbolische Bündnisse. Parteien, NGOs, Bewegungen, Medien, Wissenschaft, Kultur, Verwaltungen, Unternehmen. Alle, die etwas beitragen können, arbeiten in abgestimmter Arbeitsteilung. Wir sammeln, was funktioniert, vermeiden Dopplungen, schließen Lücken und teilen Wissen, statt es zu bunkern.

Das Playbook ist in diesem Sinne eher ein Betriebssystem als eine Kampagne. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass viele verschiedene Initiativen anschlussfähig sind, voneinander lernen und sich gegenseitig verstärken. Es sagt nicht „Alle machen jetzt dasselbe“, sondern „Hier ist die gemeinsame Richtung, hier sind erprobte Ansätze, hier sind Räume, in denen wir unsere Strategien aufeinander beziehen können.“. Das ist ein kultureller Schritt, der bedeutet, Wirkung wichtiger zu nehmen als das eigene Label.

Wenn wir das aufbauen, könnte 2029 tatsächlich anders aussehen. Demokratische Parteien würden nicht nur reaktiv Grenzen ziehen, sondern mit geteilten positiven Zukunftsbildern auftreten. Medien hätten mehr anzubieten als Alarmismus und Skandalisierung. Wahlkämpfe wären weniger von Angst dominiert und stärker von der Frage, welche konkrete Zukunft wir gemeinsam gestalten wollen. Demokratie würde sich wieder mehr nach Möglichkeit und weniger nach Dauerstress anfühlen.

Wir können das Ruder herumreißen, wenn wir lernen, unsere eigene Seite strategischer zu organisieren. Das Demokratie Playbook 2029 ist der Versuch, aus vielen verstreuten Bemühungen eine gemeinsame Richtung zu machen. Kein perfekter Plan von oben, sondern ein Rahmen, den wir gemeinsam füllen.

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