„Lab: Emotionen & Demokratie“
Affektive Strategien gegen Autoritarismus und für eine starke Demokratie mit Beyond Molotovs

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Autoritarismus überzeugt nicht mit Argumenten und Programmen, sondern agiert tiefer. Er kreiert mächtige kollektive Affekte und kanalisiert (un)bewusste Wünsche und Ängste. Demokratien reagieren darauf oft rational – mit Programm, Struktur und Appell. Doch ohne ein Verständnis der tief liegenden Affektdynamiken bleibt ihre Wirkung begrenzt. Unter welchen Bedingungen sind eine lebenswerte Zukunft und demokratische Ideale wieder vorstellbar? Fachexpert*innen und Interessierte erkunden gemeinsam, welche Rolle Emotionen in der Politik spielen und entwickeln strategische Ansatzpunkte, wie dieses Wissen gezielt in demokratische Bildungs-, Kommunikations- und Beteiligungsprozesse einfließen kann. Das Lab wird von Beyond Molotovs gehostet, einem Kollektiv, das sich seit 2020 mit anti-autoritären Gegenstrategien beschäftigt. Der methodische Rahmen wurde in Zusammenarbeit mit Zukunftsforscher Jonas Drechsel erarbeitet.
*Die Labs sind Denk- und Handlungsräume, in denen unterschiedliche Akteur*innen gemeinsame Zukunftsbilder für eine starke Demokratie entwerfen und erste Schritte dorthin denken – der Startpunkt eines ko-kreativen, sektorübergreifenden Prozesses. Grundlage sind Methoden aus der Zukunftsforschung (wie beispielsweise Futures Wheel), die dabei unterstützen, strategische Narrative zu formulieren und systemische Ziele für die kommenden Jahre abzuleiten.
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Die Inputs aus der Veranstaltung in Artikelform.
Speaker*innen
Weitere Veranstaltungen von Faktor D
„Radikal Fühlen“
Emotionen als demokratische Kraft: Lisa Jaspers und Clara Porák zeigen, wie Emotionen Demokratie, Aktivismus und Solidarität stärken und Wandel bewirken können.
Gefühle sind politisch – doch in der Demokratiearbeit sind sie bislang eine ungenutzte Chance. Während autoritäre Bewegungen längst mit Emotionen arbeiten, wird ihre strategische Bedeutung in zivilgesellschaftlichen Kontexten häufig unterschätzt. Dabei sind Gefühle an sich schon eine politische Erfahrung. Gefühle geben Orientierung, stiften Solidarität und treiben Veränderungen an: Wut über Ungerechtigkeit, Trauer über Verluste, Hoffnung auf Veränderung oder Freude am kollektiven Handeln.
Lisa Jaspers (Sozialunternehmerin und Mitautorin von Radical Transformation) beschäftigt sich seit Jahren mit der Rolle von Emotionen im Aktivismus. Sie zeigt, wie Gefühle Bewegungen für globale Gerechtigkeit prägen: wo sie Kraft geben, wo sie erschöpfen und wie sie bewusst genutzt werden können, um widerstandsfähig und handlungsfähig zu bleiben. Clara Porák (Journalistin bei andererseits) widmet sich in Alles fühlen dem fehlenden Raum für Emotionen in patriarchalen und kapitalistischen Gesellschaften und beleuchtet, wie emotionale Autonomie diese zu einer Ressource für Inklusion und Widerstand macht.
Ein Impuls für alle, die Demokratiearbeit, Engagement oder Organisationen gestalten und ihr Handeln um eine oft übersehene Dimension erweitern wollen: die politische Kraft der Gefühle.
„Drucksache Bibliothek“
Ob Proteste, politische Einflussnahme oder subtile Einschüchterung: Bibliotheken bleiben von gesellschaftlichen Spannungen nicht unberührt. Welche Formen diese Angriffe annehmen – und welche Strategien dagegen helfen – darüber sprechen Hanna Carlsson, Matthias Müller und Felix Hüppi.
Politische Einflussnahme auf Bibliotheken nimmt zu – mal lautstark, mal subtil. Wie sich diese Entwicklungen in der Praxis zeigen und was dagegen hilft, zeigen drei Perspektiven aus Wissenschaft, Beratung und Praxis:
Hanna Carlsson eröffnet mit Erkenntnissen aus einer dreijährigen Studie zur politischen Einflussnahme auf Bibliotheken in Schweden. Matthias Müller von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin stellt zentrale Strategien und einen praktischen Leitfaden für den Umgang mit Angriffen vor. Felix Hüppi, Leiter der Pestalozzi-Bibliotheken Zürich, berichtet von konkretem politischem Druck, medialen Angriffen und Protesten – und davon, wie es gelang, Haltung zu bewahren.
Der Beitrag von Hanna Carlsson aus Schweden wird als Gastbeitrag auf Englisch gehalten, alle weiteren Programmpunkte finden auf Deutsch statt. Wenn Englisch gesprochen wird, werden deutsche Untertitel eingeblendet. Die Veranstaltung richtet sich an Fachpublikum und Interessierte aus dem Bibliothekswesen, der Kulturpolitik, Zivilgesellschaft und Verwaltung.
„Community zum Ausleihen"
Ob die Schwarze Kinderbibliothek in Bremen oder die Kantonsbibliothek Zug – wir zeigen Good Practices, wie Bibliotheken mit wenig Ressourcen Räume für Begegnung, Teilhabe und gesellschaftliches Miteinander schaffen.
Wie lassen sich Räume für die Community schaffen und halten – auch ohne große Ressourcen? Und wie können Nutzer*innen aktiv einbezogen werden? Wir stellen Good Practices vor, die zeigen, wie Bibliotheken im DACH-Raum mit überschaubarem Aufwand zu lebendigen Räumen für Begegnung und Kooperation werden können. Bibliotheken sind ein Ort für Gemeinschaft, Beteiligung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Im Fokus stehen Projekte, in denen Bibliotheken Teilhabe ermöglichen und marginalisierte Gruppen sichtbar machen.
Sheeko Ismail initiiert 2022 die Schwarze Kinderbibliothek Deutschlands. Mit über 1.000 Büchern stellt die Bibliothek Schwarze Kinder und Jugendliche in den Mittelpunkt und schafft mit empowernden Angebote einen Safe(r) Space für Bildung und Begegnung. Jasmin Leuze leitet die Schweizer Kantonsbibliothek Zug und macht sie zu einem Ort gelebter Demokratie. Mit einem partizipativen Modell zeigt sie, wie durch Community-orientierte Gestaltung ein inklusiver Ort entstehen kann.
Die Veranstaltung richtet sich an zivilgesellschaftliche Initiativen, kommunale Akteur*innen, Bibliotheksmitarbeitende und alle, die Orte der Begegnung demokratisch gestalten wollen. Teilnehmende erhalten konkrete Impulse, neue Perspektiven und erprobte Handlungsansätze – zum Mitnehmen, Nachmachen und Weiterdenken.
Die Veranstaltung ist Teil der dritten Mission von Faktor D zum Thema Bibliotheken und Demokratie.
„Bibliotheken als demokratische Orte“
Bibliotheken sind unschätzbar wichtige öffentliche Orte. Daher müssen wir sie als starke demokratische Partnerinnen vor Ort endlich stärker einbinden, fordern Judith Galka (Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt) und Karlheinz Boss (KUS Netzwerk Österreich).
In einer Zeit wachsender gesellschaftlicher Spannungen gewinnen Räume für politische Bildung und demokratische Auseinandersetzungen an Bedeutung. Bibliotheken sind mehr als nur Wissensspeicher – sie fördern kritische Auseinandersetzungen, den gesellschaftlichen Austausch und bieten in Städten oft einen der wenigen konsumfreien Begegnungsräume. Auf dem Land sind sie häufig die letzten öffentlich zugänglichen Orte.
Judith Galka, ehemalige Programmleiterin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, und Karlheinz Boss vom KUS-Netzwerk aus Österreich, rufen dazu auf, Bibliotheken als demokratische Partnerinnen vor Ort stärker einzubinden und die immensen Kooperationspotentiale zu nutzen. Insbesondere lokale Demokratieprojekte sollten jetzt die Kraft von Bibliotheken als offene, partizipative und reichweitenstarke Demokratieräume ernst nehmen und für ihre Arbeit nutzen. Gemeinsam blicken wir auf konkrete Anknüpfungspunkte und Erfolgsgeschichten.
Eine Veranstaltung in Kooperation mit





