
Foto: Gian-Marco Castelberg
Jolanda Spiess
„Wer mit persönlichkeitsverletzender Berichterstattung Geld verdient, soll es herausgeben. Jolanda Spiess hat dieses Präzedenz-Urteil 2025 erstmals in der Schweiz erwirkt und arbeitet daran, dass es nicht bei einem Einzelfall bleibt."
Ich bin Jolanda Spiess und lebe in Zug, das Schweizer Steuerparadies in einem beschaulichen und sehr konservativen Kanton in der Zentralschweiz.
Mein Leben als damals frisch gewählte grüne Kantonsrätin veränderte sich im Dezember 2014 auf einen Schlag: Am Morgen nach der Zuger Landammannfeier erwachte ich mit einem unerklärbaren Filmriss und Unterleibsschmerzen. Nach einer Abklärung im Spital werden Strafuntersuchungen eingeleitet, in meinem Intimbereich wird die DNA zweier Männer gefunden. Zwei Tage später veröffentlicht die Tageszeitung «Blick» unter der Schlagzeile «Hat er sie geschändet?» meinen Namen und meine Bilder und jene eines SVP-Politikers.
Es folgten eine mediale Hetzjagd mit Hunderten von persönlichkeitsverletzenden und diffamierenden Artikeln in verschiedenen Medien und eine anhaltende Welle von Hass im Netz. Medienkonzerne haben mit ihrer persönlichkeitsverletzenden Berichterstattung viel Geld verdient. Ich wehre mich gegen dieses Geschäftsmodell, ziehe fehlerhafte Medienschaffende vor Gericht – und gewinne.
Ich verklagte insbesondere die Ringier AG, Herausgeberin des "Blick" und erreichte, dass in der Schweiz erstmals ein Medienkonzern gerichtlich zur Herausgabe der Gewinne aus persönlichkeitsverletzender Berichterstattung verpflichtet wurde. Mich interessiert hier die strukturelle Wirkung: Ich nutze meine eigenen Verfahren, um die Regeln für alle zu verschieben.
Seither arbeite ich an dem, was mir damals gefehlt hat. Ich habe #NetzCourage gegründet und das Buch «Meistgeklickt» geschrieben. Heute baue und programmiere ich bei der gemeinnützigen Stiftung We.Publish Prototypen für unabhängige Redaktionen und bei Winkelried & Töchter niederschwellige Tools für Menschen, gegen die gerade eine üble Kampagne gefahren wird.
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